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Über ein Jahr hält uns die Pandemie jetzt schon auf Trab. Und genauso wie das Mutieren der Viren natürlich ist, geschehen in dieser Zeit verständlicherweise auch Fehler beim Bekämpfen der Pandemie. Was man aber bisweilen, auch gerade in letzter Vergangenheit, an Fehlern ertragen muss, ist nicht mehr logisch erklärbar.
„Komm lass mich das mal machen. Ich kann das …. nicht, aber ich kann es auch nicht mehr ertragen, euch dabei zusehen zu müssen, wie ihr es nicht könnt!“, sagte unlängst die bekannte Kabarettistin Sarah Bosetti. „Und wie so oft hat das Kabarett Recht“.
Schnelltests wurden erst viel zu spät zugelassen, wenngleich diese schon längst auf dem Markt waren und von anderen Ländern bereits wirkungsvoll präventiv genutzt wurden. Sie sind nach wie vor schlecht verfügbar. Ebenso wie Handschuhe, Masken, Desinfektionsmittel oder andere Schutzausrüstung. Wochenlang wird und wurde lieber darüber gestritten, wer es besorgt und bezahlt.
Schulen, Betreuungen und Kitas werden wie im wilden Galopp aufgemacht, geschlossen oder irgendwas dazwischen. Kinder wissen Freitags nicht was Montags ist und wenn sie Glück haben, erfahren sie das Sonntag Abends. Davon, dass keine ausreichenden Test- und Schutzkonzepte für Lehrende und Lernende bestehen ganz zu schweigen. Wird schon schief gehen, sprach der Hund und stellte sich aufs Skateboard. Die Gesundheitsämter sind nach wie vor weder personell noch technisch anständig ausgestattet, dabei gibt es Softwarevarianten, die Nachverfolgbarkeit, Ausbreitungsberechnungen und Kontaktketten viel besser bearbeiten könnten. Bringt nur alles nichts, wenn nicht jedes Gesundheitsamt diese nutzt, die Gesundheitsämter nicht untereinander vernetzt sind oder es spätestens keine Schnittstelle zum RKI gibt. Und wenn die Mitarbeitenden der Gesundheitsämter eher mit händischem Abtippen von Meldungen an das RKI, als mit dem Aufnehmen von Kontaktketten beschäftigt sind, dann weiß man: Irgendwas läuft schief. Dieser Zustand ist auch für die Mitarbeitenden unzumutbar und frustrierend. Wir danken euch für euren Einsatz! Hausärzt*innen werden viel zu spät in die Impfungen mit eingebunden. Warum nicht schon jetzt, so dass wenigstens, wenn denn dann mal genügend Impfstoff da ist, die Ausweitung auf Hausärzt*innen reibungsloser funktioniert, als der Start in den Impfzentren. An Betriebsärzt*innen und arbeitsmedizinischen Zentren geht das ganze meist komplett vorbei. Die Anmeldung und Registrierung in Impfzentren läuft bisweilen immer noch schlechter als ein Napster Download in den 90ern mit einem alten 56k Modem.
Freigewordene Impftermine, weil bspw. der Astra Zeneca-Termin mal wieder nicht wahrgenommen wurde, könnten viel schneller und flexibler über hinterlegte Kontaktadressen, abseits der festgelegten Priorität, weitergegeben werden, auch über SMS oder Instant-Messenger. Wer dann erschiene, bekäme die Impfung.
Arbeitgeber*innen müssten viel mehr in die Verantwortung und den Schutz ihrer Mitarbeitenden eingebunden und gefordert werden. Sei es bei der Homeofficepflicht oder, wo das nicht möglich ist, mit min. 2 Schnelltests pro Woche für alle Angestellten. Die oft vorhandenen firmeninternen Ersthelfer*innen können sich zum Bsp. auf die korrekte Probenahme schulen lassen.
Ein Reißverschlussverfahren beim Impfen, jetzt wo die risikobehaftetste Gruppe der älteren Menschen weitgehend durchgeimpft ist, wäre auch sinnvoll. Denn es trifft vor allem Menschen in prekären Verhältnissen. Beengter Wohnraum, Niedriglohnjobs, in denen oft auf die Arbeitenden nicht so geachtet, oder in großen Gruppen gearbeitet wird (Stichwort Tönnies) und Jobs mit viel Kundenkontakt sind Risikofaktoren. Home Office hilft da nicht. Die Anreise über den ÖPNV, aus Geldgründen, ist hier auch verbreiteter. All das trifft insbesondere auf migrantische Menschen zu. Rassistische Erklärungsmuster, die das erhöhte Infektionsgeschehen auf eine „andere Kultur“ zuschreiben wollen sind entschieden zurückzuweisen. Diese Menschen brauchen ebenso Schutz! Dies wird umso wichtiger, weil man weiß, dass die britische Variante deutlich ansteckender und auch tödlicher ist. Und Long-Covid Erkrankungen sind auch nicht ohne, unabhängig von Alter und Vorerkrankungen.
Die Hilfen für Kleingewerbe, Gastronomie, Kunst- und Kultur kommen immer noch viel zu schleppend bis gar nicht, während die Wirtschaftslobby von Automobilindustrie und Großkonzernen den Takt angibt, wie man jetzt auch wieder an der geplanten „Osterruhe“ sieht.
Die Ideen sind umfangreich, -mindestens so umfangreich wie die Kritik, die wir haben. Und mit vielen Ideen könnte man das Ganze deutlich vereinfachen, flexibilisieren und beschleunigen- es sei denn wir wollen uns noch bis 2025 mit denselben Fehlern beschäftigen.
Also packt es halt einfach mal an, liebe Regierende. Dafür habt ihr ein Mandat und nicht dafür, möglichst viel an Schutzausrüstung zu verdienen und sich hinterher drüber zu streiten, wer die Konsequenzen dafür tragen soll.
Über die globale Verteilung regen wir uns das nächste Mal auf.
P.S.: GEBT DIE LIZENZEN FREI
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