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Antrag: Hessentag für alle

Stadtfraktion Idstein

A N T R A G

der Fraktion Die Linke

betreffend

die gezeigte Vielfalt auf dem Hessentag

zwecks besserer Repräsentation der hessischen Gesellschaft

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Beschluss

  1. Die Planungskommission für den Hessentag sowie alle maßgeblich in die Hessentagsplanung eingebundenen Personen werden angewiesen, bei der Programmplanung sicherzustellen, dass das angebotene Programm die Vielfalt der hessischen Bevölkerung widerspiegelt und bestehende soziale Repräsentationslücken aktiv schließt.
  2. Demokratische Teilhabe bei der Planung des Hessentags ist für alle gesellschaftliche Gruppen ein unverhandelbares Recht. Speziell marginalisierte Gruppen bzw. deren Repräsentanten sollen in die Programmgestaltung mit eingebunden werden. Zudem sollen auch zielgerichtet Angebote für diese Gruppen gestaltet werden. Dies umfasst aber beschränkt sich nicht auf:
    – Teilnahme am Festzugsprogramm
    – Musik- und Kulturveranstaltungen
    – Kulinarische Angebotsvielfalt
    – Bereitstellung dauerhafter jugendkultureller Infrastruktur
  3. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf der Schaffung eines nachhaltigen sozialen Ertrags für die lokale Jugend liegen: Hierzu sind im Rahmen der Stadtentwicklung nachhaltig nutzbare, kostenlose und nicht-kommerzielle Räume für junge Menschen zu planen, die über den Zeitraum des Hessentags hinaus Bestand haben.
  4. Gruppen, für die auch explizite Angebote geschaffen werden sollen bzw. die in die Programmgestaltung einzubinden sind, umfassen unter anderem, aber nicht nur:
    – Menschen mit Migrationsgeschichte
    – die LGBTIQ+ Community
    – Menschen mit Behinderung
    – Menschen jünger als 30 Jahre.

 

Begründung

Zur Illustration ein Auszug aus dem Festzugsprogramm des Hessentags von 2002 in Idstein:
78. Motivwagen „Hessegrittcher zwischen Dornburg und Blasiusberg"
79. Motivwagen „Feierabend in der Bauernstube um 1900"
80. Motivwagen „Spinnstube"
81. Motivwagen „Erntewagen von damals"
82. Motivwagen „950 Jahre Villmar"
83. Motivwagen „Mittelalterliches Reisegeleit des Schadecker Westerburger Grafen"
84. Motivwagen „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Merenberg"

Diese Beispiele verdeutlichen eine einseitige Fixierung auf ein Nostalgie-Narrativ, das in einer rückwärtsgewandten Brauchtums-Folklore verhaftet bleibt. Die heutige Realität wird dabei weitgehend ausgeblendet: Fast ein Drittel der hessischen Bevölkerung hat eine Migrationsgeschichte, und knapp 10 % der Menschen in Hessen leben mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Diese gesellschaftlichen Fakten spiegelten sich in den Hessentagsprogrammen der letzten Jahrzehnte kaum wider. Vielmehr reproduzieren diese Formate den Eskapismus in eine vermeintlich homogene „gute alte Zeit“.  

Zusammenhalt entsteht nicht durch das bloße Feiern alter Traditionen, sondern durch die Anerkennung unterschiedlicher Lebensrealitäten und die aktive Bekämpfung struktureller Barrieren.  Wo wichtige Entscheidungen über die Darstellung unserer Gesellschaft fallen, müssen alle repräsentiert sein, um den Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen zu überwinden.

Für junge Menschen bedeutet das, dass der Hessentag nicht als substanzlose Event-Politik wirkungslos bleiben darf. Repräsentation darf sich nicht in der Kulissenhaftigkeit temporärer Zelte erschöpfen, sondern muss in die Schaffung dauerhafter, nicht-kommerzieller Freiräume für kostenlose Begegnung und Bewegung münden, die dem herrschenden Konsumzwang entgegengesetzt werden.  

Das Ziel des Hessentags 2027 in Idstein muss es daher sein, die Hegemonie tradierter Rollenbilder aufzubrechen und ein Programm anzubieten, das die soziale Realität und die Vielfalt der Lebensentwürfe und Identitäten unserer Gesellschaft ernst nimmt.

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