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Antrag: Hessentag und Umweltschutz

Stadtfraktion Idstein

A N T R A G

der Fraktion Die Linke

betreffend

die Präsentation von Idstein während und nach dem Hessentag 2027 als Modellregion für Nachhaltigkeit

zwecks Einhaltung der Hessischen Klimaziele und solidarischem Schutz vor Folgen des Klimawandels

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

 

Beschluss

Die Stadt Idstein wird aufgefordert,

  1. ein Konzept zu entwickeln, um den Hessentag als Modellprojekt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit auszurichten;
  2. sicherzustellen, dass die Energieversorgung des Hessentags weitestgehend aus erneuerbaren Energien erfolgt;
  3. nachhaltige Mobilitätskonzepte, insbesondere den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der Fahrradinfrastruktur, umzusetzen;
  4. die Beteiligung regionaler landwirtschaftlicher Betriebe und anderer lokaler Unternehmen mit ökologischer bzw. nachhaltiger Ausrichtung gezielt zu fördern;
  5. ein verbindliches Abfallvermeidungs- und Mehrwegkonzept zu etablieren;
  6. Bildungs- und Informationsangebote zu Umwelt- und Klimaschutz zu integrieren;
  7. Maßnahmen zu fördern, die über den Hessentag hinaus dauerhaft zu einer nachhaltigen, ökologischen und sozial gerechten Stadtentwicklung beitragen.

 

Begründung

Der Hessentag als größtes Landesfest in Hessen ist nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein politischer Raum, in dem gesellschaftliche Zukunftsfragen sichtbar und praktisch erfahrbar werden. Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise ist es eine öffentliche Verantwortung, solche Großveranstaltungen konsequent an ökologischen und sozialen Kriterien auszurichten.

Klimaschutz ist dabei keine individuelle Konsumentscheidung, sondern eine strukturelle Aufgabe, die durch kommunales Handeln aktiv gestaltet werden muss.

Bereits vorhergehende Hessentage wurden diesem Leitbild mit einer Sonderausstellung zum Thema „Der Natur auf der Spur“ gerecht. Es gibt jedoch noch eine Vielzahl weiterer umweltpolitischer Zahnräder:

  1. Die Entwicklung eines Modellprojekts für Nachhaltigkeit folgt dem Anspruch, öffentliche Infrastruktur demokratisch und gemeinwohlorientiert umzubauen. Der Hessentag kann zeigen, dass ökologische Transformation nicht Verzicht bedeutet, sondern Lebensqualität, Teilhabe und soziale Gerechtigkeit stärkt.
  2. Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien ist ein zentraler Schritt zur Überwindung fossiler Abhängigkeiten. Energie ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht länger profitorientierten Strukturen überlassen werden. Eine nachhaltige Energieversorgung trägt zur Energiesouveränität der Kommune bei und schützt insbesondere einkommensschwächere Haushalte vor den Folgen fossiler Preisschwankungen.
  3. Nachhaltige Mobilität bedeutet, Mobilität als soziales Recht zu begreifen. Der Ausbau von öffentlichem Nahverkehr und Fahrradinfrastruktur reduziert Emissionen und schafft zugleich gerechtere Zugänge zur Stadt für alle Menschen – unabhängig vom Besitz eines Autos. Damit wird auch dem Ziel entgegengewirkt, dass öffentliche Räume durch privaten Individualverkehr dominiert werden. Durch die damit einhergehende Reduzierung des Bedarfs an Parkplatzflächen für Privat-PKW kann die Flächenversiegelung im Innenstadtbereich minimal gehalten werden.
  4. Die Förderung regionaler und ökologisch und fair wirtschaftender Betriebe stärkt lokale Wertschöpfungsketten und wirkt der Konzentration wirtschaftlicher Macht in globalen Konzernen entgegen. Insbesondere kleinbäuerliche Landwirtschaft und nachhaltige Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag zu Ernährungssouveränität, fairen Arbeitsbedingungen und ökologischer Produktion.
  5. Ein verbindliches Abfallvermeidungs- und Mehrwegkonzept greift die Verantwortung öffentlicher Veranstaltungen auf, Ressourcenverschwendung systematisch zu reduzieren. Wegwerfstrukturen sind Ausdruck einer profitorientierten Überproduktionslogik, die ökologische Kosten externalisiert. Dem setzt ein konsequentes Mehrwegsystem eine nachhaltige Alternative entgegen.
  6. Bildungs- und Informationsangebote sind essenziell, um gesellschaftliche Transformationsprozesse demokratisch zu verankern. Klimaschutz erfordert informierte Bürger*innen, die in der Lage sind, politische Entscheidungen nachzuvollziehen und mitzugestalten. Der Hessentag kann hier als niedrigschwelliger Ort politischer Bildung wirken. Zudem macht es Spaß, Neues zu lernen und sich weiterzubilden. Ein Hessentag, der nicht nur Konsum von Essen und Musik anbietet, sondern auch interessante Aktivitäten, kann zahlreiche Neugierige anlocken.
  7. Schließlich müssen die Maßnahmen über den Hessentag hinauswirken. Nachhaltigkeit darf kein temporäres Eventkonzept bleiben, sondern muss langfristig in eine sozial- und umweltgerechte Stadtentwicklung überführt werden. Dazu gehört insbesondere, ökologische Maßnahmen mit sozialer Ausgleichspolitik zu verbinden, damit die Transformation nicht zulasten ohnehin benachteiligter Gruppen geht.

Insgesamt bietet der Hessentag die Chance, ökologische und soziale Fragen zusammenzudenken und konkrete Alternativen zu einer ressourcenintensiven und sozial ungleichen Wirtschaftsweise sichtbar zu machen.

Selbstverständlich gehört zu einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Planung des
 Hessentags auch die Vermeidung von hoher Verschuldung und die Erstellung eines Finanzierungskonzepts für den Schuldenfall, welches die Idsteiner Bewohner*innen nicht belastet.

Mögliche Maßnahmen und Angebote, die in der Kommission zur Planung des Hessentags inhaltlich und vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit diskutiert werden können:

Schutz-Maßnahmen für Bürger*innen und Besucher*innen:

  • Schaffung kostenloser, dauerhafter Infrastruktur zum Schutz vor Klimawandelfolgen
     (Sonne, Hitze, Dehydrierung), z.B. Wasserspender im Stadtgebiet, Sitzgelegenheiten im Schatten oder anderen kühleren „Bürgerräumen“.
  • massive Begrünung von Plätzen, Fassaden, Dächern.
  • Verpflichtung für Gastronomie, Leitungswasser kostenlos bereitzustellen.
  • Kostenlose oder sehr preisgünstige Bereitstellung von Oropax und Sonnencreme sowie ein kostenloses Angebot von Alkoholtests zum Schutz vor Lärm, Sonne und Dehydrierung während des Hessentags.
  • Hygienekonzepte inkl. Toiletten- und Wickelraum-Infrastruktur
  • Workshop / Bildungsangebote zu „Erster Hilfe“ oder zu Themen wie Hitzeschutz und Verhalten bei Extremwetter (z.B. von asb, DLRG, DRK oder Feuerwehr).
  • Gründung eines Awareness Teams bzw. einer Vertrauensgruppe für seelische Erste-Hilfe für Menschen in jedem Alter, zusätzlich zur klassischen Sanitäts-Infrastruktur.

Nachhaltiger Ausbau klimafreundlicherer Verkehrs-, Energie- und Entsorgungsinfrastruktur:

  • Ausbau der Stadtlinien-Busse zu E-Bussen.
  • Während des Hessentags barrierefreien Bus-Schienenersatzverkehr sowie Shuttlebus-Systeme von P+R Parkplätzen / temporären Wiesen-Parkplätzen der weiteren Umgebung organisieren, um den Ausbau von versiegelten Parkplatzflächen in der Idsteiner Innenstadt zu vermeiden.
  • Bereitstellung von genügend Fahrrad-/E-Roller-Stellplätzen während und nach dem Hessentag und Kombination mit kostenlosen Fahrrad-Reparaturstationen und E-Ladestationen.
  • Solardächer auf bestehenden Parkplatz- und Busbahnhofs-Flächen (Vorbild Tournesol) für nachhaltige Stromversorgung der Stadt – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch – und gleichzeitiges Schattenspenden zum Schutz der Bürger*innen und Hessentagsbesucher*innen vor überhitzten Autos.
  • Schwammstadt-Konzepte mitdenken, also die Notwendigkeit neuer Bauflächen (z.B. Parkplätze) kritisch prüfen, um negativen Folgen zunehmender Bodenversiegelung entgegenzuwirken (Schutz vor Extremwetterereignissen durch intakte Versickerungsflächen und Förderung nachhaltiger Wasserwirtschaft).
  • An Ständen während des Hessentags verpflichtende Nutzung eines Recup- / Mehrweg- Systems oder alternativ von Geschirr / Besteck aus leichter abbaubaren Produkten wie z.B. Pappe (statt Plastik).
  • Ausbau der Mülleimer- und Müllabfuhr-Infrastruktur
  • Food-Sharing / „Too good to go“ / Fairteiler-Angebote ausweiten.

Bildungs-/Aktionsangebote zu Klimawandel, Klimapolitik und gegen die Ohnmacht:

  • Bau einer „Klima-Kiste“ (entwickelt von der Stadt Hameln 2023, umgesetzt in Wiesbaden 2025). www.dieklimakiste.de Dabei handelt es sich um einen begehbaren Erlebnisraum, der auf anschauliche Wiese für Klimathemen sensibilisiert und Hitzeresilienz erlebbar macht. Gleichzeitig kann die Klima-Kiste die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt steigern.
  • Infostand zu Hessischen Klimapolitik im Kontext des globalen Klimawandels, inklusive Bürgerinformationsangeboten zum Ausbau erneuerbarer Energien (Windkraft, Solarenergie, Umweltwärme, Erdwärme usw.)
  • Stand für aktiven Bürgerdialog / Bürgerbefragung zu Meinungen / Wünschen zu kommunalpolitischen Fragen wie Situation der Öffentlichen Verkehrsmittel in Hessen usw.
  • Infostände von Fair-Trade-Geschäften, ökologischen landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region, sowie von regionalen Umweltorganisationen
  • Niedrigschwellige Bildungsangebote zu Nachhaltigkeits-Themen im Alltag der Menschen, wie z.B. Energiesparen, Balkonkraftwerke, Müll reduzieren, Lebensmittelverwertung.
  • Workshop-Angebote zu gesunder Ernährung, ggf. in Kombination zu Gärtnern in Hochbeeten (z.B. Im Bürgergarten)
  • Workshop Angebote zu DIY bzw. Upcycling (z.B. Siebdruck, Reparaturcafé bzw. „Heimwerkerkurse“ von Baumärkten usw.)
  • Flohmarkt bzw. Second-Hand-Verkaufsstände ermöglichen.
  • Spiele für Kinder zur Klima-/Umwelt-Bildung und Hessen allgemein (z.B. Quizfragen zu Umweltthemen, Rätselspiele zu Hessen oder zu Ökosystemen, Müllsortier-Staffel, Natur-Bingo, Klima-Tabu, Natur-Memory, Samenbomben basteln, Naturbilder malen). Hier könnte man Rücksprache mit den Idsteiner-Spiele-Läden oder dem Bürgergarten halten.
  • Escape-Spiele in der Idsteiner Altstadt explizit für Hessentagsbesucher*innen vergünstigt bewerben, um Stadtgeschichte und Zukunftsausrichtung erlebbar zu machen. Buchung von Gruppentickets für definierte Zeit-Slots.

 

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Historie

17. August 2026
Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

11. Juni 2026
Der Antrag wurde an den zuständigen Ausschuss verwiesen.

27. Mai 2026
Der Antrag wurde eingereicht.

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